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Religiöse Hilfsorganisationen wollen mehr Mitsprache auf UN-Foren

Von Kalinga Seneviratne

Bangkok (IDN) – Im kommenden Jahr wird die Weltgemeinschaft eine Reihe wichtiger Entscheidungen treffen. Dazu gehören die Ausgestaltung der neuen Post-2015-Nachhaltigkeitsziele (SDGs) sowie die Erarbeitung neuer Entwicklungsmodelle und Rahmenwerke zur Verringerung des Katastrophenrisikos (DRR). Religiöse Hilfsorganisationen sind der Meinung, dass sie aufgrund ihrer spezifischen Kompetenzen stärker als bisher Einfluss auf die UN-Agenda nehmen sollten.

 Die Sechste Asiatische Ministerkonferenz über die Verringerung des Katastrophenrisikos (AMCDRR) vom 22. bis 26. Juni in Bangkok hat einen Vorgeschmack davon gegeben, wie sich die Dinge künftig entwickeln dürften. So war immer wieder von der Notwendigkeit die Rede, bei der Bewältigung der globalen Probleme kommunalen Lösungen den Vortritt zu geben.

In diesem Sinne erklärte die UN-Sonderbeauftragte für Katastrophenvorsorge (DRR), Margareta Wahlström, in ihrem Eröffnungsbeitrag, dass inklusive und partizipatorische Arbeitsmodelle benötigt würden, die gerade den Graswurzelorganisationen und Lokalbehörden eine zentrale Rolle in den DRR-Aktivitäten zuweise.

Bereits im Februar hatte das Zivilgesellschaftliche Forum – eine Gruppe aus 38 Vertretern der Zivilgesellschaft – in Genf ein Positionspapier zum DRR-Rahmenwerk nach 2015 vorgelegt, in dem ein radikales Umdenken und ein kommunaler Ansatz bei der Lösung der weltweiten Probleme gefordert wurden.

Bisherige Strategien überprüfen

Auf einer AMCDRR-Parallelveranstaltung hieß es ferner, dass man von Katastrophen viel über die Schwächen und Stärken derzeitiger Entwicklungsstrategien lernen könne. Im Sinne einer möglichst weitreichenden Widerstandsfähigkeit "kommt der Zivilgesellschaft bei der Formulierung und Umsetzung von Katastrophenschutz- und Katastrophenmanagement-Entscheidungen eine zentrale Rolle zu."

Wie Harjeet Singh, internationaler Koordinator für DRR und Klimaanpassung der Hilfsorganisation 'Action Aid', gegenüber IPS erklärte, sind die Vereinten Nationen inzwischen eher geneigt, die zivilgesellschaftlichen Organisationen anzuhören und ihnen auf UN-Konferenzen mehr Raum zu geben. "Sie luden einige von uns ein, uns bei den Verhandlungen in Genf über das neue Rahmenabkommen einzubringen", berichtete er.

Während der fünftägigen AMCDRR-Verhandlungen in der thailändischen Hauptstadt hatten etliche Glaubensgruppen ('Faith Based Organizations' – FBOs) die Gelegenheit genutzt, um auf zahlreichen Parallelveranstaltungen und Workshops für ihre stärkere Berücksichtigung in UN-Entscheidungsprozessen zu werben. Darüber hinaus erklärten sie in einer Mitteilung, dass sie bereit seien, in Asien beim Aufbau katastrophenresilienter Gemeinschaften zu helfen, zumal sie auf kommunaler Ebene über ein riesiges Reservoir engagierter Menschen für den Wiederaufbau nach Katastrophen verfügten.

Ye Win Tun von 'World Concern', einer christlichen Hilfs- und Entwicklungsorganisation im US-amerikanischen Seattle, berichtete auf einer Parallelveranstaltung, dass im armen Myanmar FBOs überall anzutreffen seien, um Katastrophenhilfe zu leisten. Sie zählten landesweit zu den angesehensten und vertrauenswürdigsten Organisationen. "Manchmal ist es für die FBOs schwierig, (für die Durchführung von Hilfsprojekten) ein Team aus bezahlten Mitarbeitern aufzustellen, doch können sie schnell Freiwillige mobilisieren und Erfahrungen bei der Zusammenarbeit mit lokalen Behörden vorweisen."

Allerdings gibt es in einem Land, in dem Buddhisten 89 Prozent der Bevölkerung ausmachen, Vorbehalte gegenüber den christlichen Entwicklungshilfegruppen, wie Ye Win einräumen musste. Allerdings unterstrich er, dass es eine Zusammenarbeit mit buddhistischen Klöstern gebe.

Zu den aktivsten der FBO-Gruppen, die nach Bangkok gekommen waren, gehörten die christlichen Hilfsorganisationen 'Caritas Asia' und 'ACT Alliance', ein Zusammenschluss von mehr als 140 Kirchen und deren Vereinigungen. Die einzige nicht-christliche Organisation war die japanische Laien-Buddhisten-Organisation 'Soka Gakkai International' (SGI) mit Mitgliedern in 192 Ländern und Territorien und 93 lokal registrierten SGI-Organisationen.

Breiter gefächerte FBO-Allianz gefordert

Angesichts der Dominanz der christlichen Hilfsorganisationen kamen in Bangkok Forderungen auf, eine künftige FBO-Koalition breiter aufzustellen, indem mehr hinduistische, muslimische, Sikh- und andere buddhistische Gruppen mit ins Boot geholt werden. In Asien leben etwa 500 Millionen Buddhisten und ebenso viele Muslime und Hindus.

Jessica Dator Bercilla, ein philippinisches Mitglied von 'Christian Aid', erklärte, dass es Christen, die Katastrophenhilfe leisteten, durchaus wichtig sei, "Gottes Anwesenheit in der Gemeinde spürbar zu machen und Hoffnung zu geben". Auf den Hinweis, dass es christliche Hilfsgruppen jedoch in Asien vorwiegend mit nicht-christlichen Gemeinschaften zu tun bekämen, erklärte sie, "dass wir uns für unseren Glauben nicht entschuldigen müssen. Es ist unser Glauben, der uns diese Arbeit machen lässt, und wir sind in der Lage, dem menschlichen Leben einen Wert zu geben."

Auf die Frage, ob solche starken religiösen Gefühle nicht kontraproduktiv sein könnten, um nach einer Katastrophe widerstandsfähige und harmonische Gesellschaften aufzubauen, erklärte Mani Kuma, Koordinator der ebenfalls in Myanmar aktiven 'Dan Church Aid' aus Dänemark: "Wir müssen uns unserer Bedeutung als FBOs bewusst sein. Es geht allerdings vor allem um Werte und darum, die Würde und das Leben von Menschen schützen."

Singh von Action Aid, eines der weltgrößten säkularen Hilfswerke der Welt, betonte, dass auch weltliche Hilfsorganisationen humanistischen Prinzipien verhaftet seien. Wenn es um Glaubensfragen gehe, verhalte man sich jedoch strikt neutral. "Wir arbeiten bedürfnisorientiert", erklärte er. "Wir sehen uns nach Partnern um, die in ihren lokalen Gemeinschaften akzeptiert sind und denen an einer Befähigung der Menschen gelegen ist."

"Alle Menschen verfügen über das Potenzial, ihre Probleme zu bewältigen", meinte Nobuyuki Asai, Koordinator des Programms für Friedensfragen von SGI. "Wir versuchen sie zu ermutigen und zu stärken, damit sie ihre eigenen Potenziale nutzen, um Lösungen für ihre Probleme zu finden. Was wir tun, unterscheidet sich nicht von dem, was säkulare Organisationen leisten", sagte er und fügte hinzu, dass der entscheidende Punkt die besondere Motivation der FBOs sei. Sie gründe "auf einem starken Glauben an das, was wir tun".

Asai monierte, dass die Bedeutung und Leistungen der FBOs von den jeweiligen Behörden in Katastrophensituationen nicht angemessen gewürdigt würden. Seiner Meinung nach wäre es wichtig, das Potenzial der FBOs zu erfassen und die Einsatzmöglichkeiten der Glaubensgruppe in Katastrophenfällen zu diskutieren. "Behörden und FBOs könnten ein Katastrophenmanagementabkommen schließen, um eine effektive Zusammenarbeit zu gewährleisten."

Lokales Wissen berücksichtigen

Zar Gomes, regionaler Koordinator von Caritas Asia, erklärte in Bangkok, dass sich einheimisches Wissen in einigen Fällen als sehr wertvoller Beitrag zum Katastrophenschutz und zur Entwicklung von DRR-Strategien erwiesen habe. Dieses Wissen müsse in die UN-Hilfspläne einfließen. "Wir haben viele Gemeindemitglieder aus ganz Asien, die unseren Netzwerken angehören, mitgebracht, damit sie an diesen Foren mitwirken, sodass ihre Stimmen gehört werden und Eingang in diese Rahmenpläne finden", sagte er.

Gomes räumte ein, dass viele buddhistische, muslimische und hinduistische Gemeinschaften in Asien den Hilfsorganisationen der katholischen Kirche aus Sorge vor einer Evangelisierung misstrauisch gegenüberstünden. "Doch wir gehen nicht in die Gemeinden, um zu predigen. Es ist wichtig, dass wir vor unserer Entwicklungsarbeit das Vertrauen der Menschen gewinnen. Wenn wir dann mit der Arbeit beginnen und sie herausfinden, dass es nicht um Religion, sondern um Entwicklung geht, akzeptieren sie uns."

Caritas Asia hatte drei Vertreter der indigenen Gemeinschaft der Subanon aus dem philippinischen Mindanao nach Bangkok eingeflogen. Die Subanon gehören zu den wenigen Volksgruppen, die ihre prächristlichen und präislamischen Traditionen und Kulturen der philippinischen Inseln bewahrt haben. Die Subanon-Vertreterin Victoria Cajandig schilderte auf der von Caritas Asia veranstalteten Parallelveranstaltung, wie ihre Gemeinschaft kämpft, um die Kontrolle über ihr Traditionsland zu behalten, dem sie spirituell verbunden ist.

Chief Timuay Jose Anoy dankte Caritas auf der gleichen Veranstaltung dafür, seiner Gemeinschaft eine Plattform gegeben zu haben, das Anliegen seiner Volksgruppe international publik zu machen. Er berichtete, dass die Regierung seines Landes Bergbauprojekte auf dem heiligen Berg Canatuan genehmigt habe. "Wir haben unsere eigenen traditionellen Regeln, um mit Naturkatastrophen umzugehen. Heute brauchen wir Ihre Hilfe, damit Sie uns vor den menschengemachten Katastrophen schützen", beschwor er die Zuhörer.

Die meisten religiösen Gemeinschaften – unabhängig von ihrer Glaubenszugehörigkeit – haben das Bedürfnis, anderen Menschen, insbesondere den Armen und Stimmlosen, zu helfen. Auch verfolgen sie gemeinsame Ziele, wenn es um Konzepte wie soziale Gerechtigkeit, Eigenverantwortlichkeit und Mitgefühl geht.

Asai zufolge muss es für jeden Menschen möglich sein, seine Grundbedürfnisse zu decken, um in Würde leben zu können. Die hemmungslose Ausbeutung der menschlichen und natürlichen Ressourcen müsse aufhören, die Haltung in den reichen Ländern verändert werden. Dazu könnten die FBOs viel beitragen. "Wir sind der Meinung, dass wir besonders gut geeignet sind, um einen solchen inneren Wandel zu fördern, der Mut, Mitgefühl und einer Erziehung der Öffentlichkeit bedarf."  [Deutsche Bearbeitung | Karina Böckmann | IPS Deutscher Dienst | 14. Juli 2014]

Original <> http://www.indepthnews.info/index.php/global-issues/2193-faith-based-organizations-keen-to-influence-un-development-agenda